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Chronologischer Ablauf und Entwicklung des Schienenverkehrs im Auetal
Was ist das Auetal?

Das Auetal bezeichnet die Region der heutigen Gemeinde Kalefeld (ehem. Altes Amt Westerhof) und der Gemeinde Kreiensen, mit den Ortsteilen Opperhausen, Billerbeck und Haieshausen, nordwestlich am Rande des Harzes. Beide Gemeinden gehören zum Landkreis Northeim. Vor der Kreisreform in den 70er Jahren gehörte das Alte Amt Westerhof zum Landkreis Osterode am Harz.

Die Aue, ein kleiner Bach der im Westerhöfer Wald entspringt und bei Haieshausen in die Leine mündet.


1896
In seiner ersten Sitzung, im Januar, beschließt der Kreistag in Osterode, eine Bahnverbindung von Osterode nach Kreiensen zu bauen.
1897
Die vom Kreistag gebildete Kreiseisenbahnkommission stellt am 1. April den Ingenieur Harry Skinner als Kreisbahnbau-Inspektor ein.
1898
Die Bauarbeiten auf dem ges. Streckenabschnitt sind angelaufen. Am 21. März erteilt Preußen die Konzession die für die auf seinem Territorium gelegenen Strecke (26,10km), und am 14.August des selben Jahres folgt die Konzession für den braunschweigischen Abschnitt (6,54 km). Beide Konzessionen lauteten auf 100 Jahre. Am 19. Dezember wird der Streckenabschnitt Osterode - Förste eröffnet.
(Klick = großes Foto)

Der geschmückte Zug mit der Lok Calefeld (Nr.4) im Bhf. Echte am 2.September 1899
Foto/Quelle: Archiv des Heimatvereins Badenhausen.

Gemeinsames Frühstück der Festgesellschaft im Bhf. Oldershausen am 1.Mai 1901 bei der Eröffnung der gesamten Strecke von Osterode /H. nach Kreiensen.
Foto/Quelle: Archiv des Heimatvereins Willershausen.

Fahrplan von 1901 Zeitungsausschnitt aus dem Osteroder Kreis Anzeiger.
Quelle: Zeitungsarchiv der Druckerei Krösing in Osterode.

Der „große Viadukt“ im Westerhöfer Wald. Ausschnitt einer Postkarte um 1910.
Foto/Quelle: Werner Binnewies Förste

Bahnpoststempel der Kreisbahn, aufgearbeiten von Pascal Horst Lehne, Hamburg

Zeichnung des östlichen Bahnhofsbereich Kalefeld und der Erzgrube bei Dögerode um 1946
In Kalefeld vereinigten sich die Normal-und Schmalspur zum Dreischienengleis.
Zeichnung von Bernd-Joachim Nolte Kalefeld

Dreischienengleis im Bhf.Sebexen am 30. Juni 1962
Foto: Harald Kindermann

Westl. Tunnelportal des 467m langen Tunnel durch den Scheitel des Westerhöfer Waldes.
Foto/Quelle: Heinz Eichler Osterode

Henschel Normalspurlok (DH 360 C 30330) vor der Weberei Ude in Kalefeld um 1968
Foto/Quelle: Archiv des Heimatvereins Willershausen.

Die DB Lok beim rangieren im ehem. Grubenbahnhof. Im Erzbunker, im Hintergrund, ist die Entladevorrichtung für das Kunstoffgranulat der Kunstoffwerke (RKW)
Foto/Quelle: Bernd-Joachim Nolte, Kalefeld

1995 teilweise werden schadhafte Schwellen, auf dem gesamten Streckenabschnitt von Kreiensen bis Dögerode, ausgetauscht.

Die Museumsfahrten von im Zeitraum von 1984-1993 brachten die Erinnerung an die alte Kreisbahn zurück. Mit der Lok Cöln gab es 1993 die vorerst letzte Museumsfahrt.
Foto/Quelle: Bernd-Joachim Nolte, Kalefeld

Die Ilmebahn GmbH hat mit Ihrer grünen V 100 den Transport übernommen. Hier vor den Resten der alten Erzverladerampe.
Foto/Quelle: Bernd-Joachim Nolte, Kalefeld

April 1997 die Reste der Erzrampe mußten dem Gleisanschluß für das Flüssiggastanklager weichen. Eine Ersatzlok der DB übernimmt den Zulieferverkehr für die Ilmebahnlok.
Foto/Quelle: Bernd-Joachim Nolte, Kalefeld

1899
Eine festliche Einweihung findet am Bahnhof Echte statt. Zwei Tage wird in einem Tanzzelt fröhlich gefeiert. An allen Bahnhöfen im Auetal sind Ehrenpforten errichtet.
1901
am 1. Mai kann die Schmalspurbahn von Osterode bis Kreiensen durchfahren. Es ist ein großes Ereignis in unserer Region. Die Einweihungsfahrt mit wichtigen Personen, von Staat, Land und Kreis führt von Osterode bis Kreiensen. Auf der Rückfahrt nimmt man im Bahnhof Oldershausen ein gemeinsames Frühstück ein. Den Abschluß begeht man im Hotel Kaiserhof in Osterode. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 3.749.965 Mark und wurden zum überwiegenden Teil von Provinz und Staat erbracht.
1909
am 6. Februar können die Züge der Kreisbahn durch Hochwasser nur bis Kalefeld verkehren. Die Strecke bis Kreiensen ist tief unter Wasser gesetzt.
1914
am 12. März gerät der Arbeiter August Warnecke in Willershausen beim Aufspringen auf den fahrenden Kleinbahnzug unter die Räder des Zuges und wird zermalmt.
1935
kauft die Kreisbahn einen Dieseltriebwagen der Dessauer Waggonfabrik, das Fahren auf der Strecken wird komfortabler.
1936
mit dem Aufbau der Erzgrube Echte, leisten Feldbahnen gute Dienste. Zur Zeit des Krieges wird von 1939 -1944 im Bahnhofsbereich Kalefeld (heute Gaslager) eine Erzverladerampe gebaut und über eine Feldbahn vom Stollen Ricklingsberg zur Rampe bedient. Das Erz wird in (aufgebockte Hochbordwagen?) später in große 10t. Erzwagen verladen.
1941
Beginnen die Umbauarbeiten des Streckenabschnitts Kreiensen - Kalefeld. Für Schmal- und Normalspur (Dreischienengleis), mit einem Anschlußgleis zur Eisenerzgrube Echte, bei Dögerode. (Hauptschacht)
1943
am 15.Februar erfolgt die Inbetriebnahme des Dreischienengleises bis Kreiensen. Größter Verfrachter im Alten Amt ist nun die Eisenerzgrube. Der Transport auf den 1941-1943 als Dreischienengleis umgebauten Strecken-abschnitt (Grubenbahnhof - Kalefeld - Kreiensen), wird durch die Reichsbahn und ab 1949 von der Deutschen Bundesbahn durchgeführt. Das jährliche Transportaufkommen liegt um 750.000 t Eisenerz. Die Erzzüge werden von großen Güterzug-Dampflokomotiven der Baureihen 44, 58 und 56 befördert. Zwei grubeneigene Dampfloks B+C-Kuppler und später eine Diesellok sind für den Rangierdienst auf der Normalspur im Einsatz.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat die intakte Kreisbahn die Hauptverkehrslast in unserem Gebiet zu tragen. 1,2 Mil. Fahrgäste im Jahr 1947 sind das beste Ergebnis in ihrer Geschichte.
1954
wird ein neuer Triebwagen der Firma Talbot angeschafft.
1956
Ein Lied geht um die Welt „Mit der kleinen Bimmelbahn...“ Musikverleger Erich Storz aus Osterode komponiert ein Lied über die Kreisbahn Osterode/H- Kreiensen. Millionenerfolg auch in den USA.
1958
Verlagerung des Personenverkehrs der Kreisbahn, mit Ausnahme des Schüler und Berufsverkehr, auf die Straße.
1962
Im Oktober wird durch einen entgleisten Erzwagen die Ausfädelungsweiche des Dreischienengleises in Kreiensen zerstört. Die Personenzüge der Kreisbahn verkehren nur bis Sebexen, von dort wird ein Busersatzverkehr bis Kreiensen durchgeführt. Deshalb erfolgt im November die Einstellung des Schmalspurverkehrs auf der Strecke Kalefeld- Kreiensen.
1963
Neubau einer Rollbockgrube in Kalefeld und Entfernung der dritten Schiene bis Kreiensen. Anschaffung einer Diesel- Normalspurlok von der Firma Henschel aus Kassel.
1966
am 20. August findet eine Ausflugs-Sonderfahrt mit dem Triebwagen T2 und Beiwagen von Osterode nach Kalefeld statt. In der Bahnhofsgaststätte wird bei Kaffee+Kuchen Zwischenstation gemacht. Weitere Fahrten folgen
1967
am 27.05. wird der Schienen - Personenverkehrs zwischen Osterode und Kalefeld eingestelt. Am 31.07. Einstellung des Güterverkehrs von Förste bis Kalefeld. Am 30.09. Einstellung des Güterverkehrs von Osterode - Förste. Nach Stillegung des Schmalspurabschnittes 1967 verbleibt die Bedienung des 7,9 km langen normalspurigen Streckenabschnitts Kalefeld - Kreiensen, bei der Kreisbahn.
1968
erfolgt der Abbau der Gleise vom Tunnel ausgehend zu beiden Seiten der Strecke. Die Schienen werden als Schrott verkauft, einige Kleinteile gehen zur Museumsbahn Bruchhausen - Vilsen. Die Schwellen werden teilweise von Privat erworben. Grundstücke werden zum Teil für 50 Pfennige pro m2 verkauft.

1969
im Oktober beginnt man mit der Sprengung der Steinviadukte im Westerhöfer Wald
1971
werden die Stahlträgerbrücken auf drängen der Forst abgetragen. Bemühungen die Strecke im Westerhöfer Wald als Wanderwege zu erhalten, fanden kein Gehör.
1975
im Mai stellt die letzte Kreisbahnlok (Henschel - Normalspurlok) ihren Betrieb ein. Die Bahnstrecke Kreiensen - Kalefeld - RKW wird vom Landkreis Northeim übernommen. Am 1 Juni wird der Wagenladungsverkehr von der Bundesbahn übernommen, der Stückgutverkehr wird eingestellt.
1979
Am 25.Oktober gibt Bürgermeister Horst Müller mit einer Signalkelle freie Fahrt, für den neuen Güterverkehr. Diesellokomotiven (Baureihen 212, 216, 360, Köf 2+3) der Deutschen Bundesbahn übernehmen den Transport.
1984
am 7. Oktober veranstalten die Eisenbahnfreunde Einbeck eV. die ersten Dampfzugsonderfahrten zwischen Kreiensen und Kalefeld. Ein Preußenzug mit der Lok Hohenzollern D-2t wird eingesetzt. Weitere Museumsfahrten folgen bis zum Jahr 1993.
1991
Am 1. Juni wird ein Schienennutzugsvertrag zwischen der Rheinischen Kunstoffwerken (RKW) und dem Landkreis Northeim unterzeichnet. Die RKW übernimmt die Instandhaltung der Strecke.
1995
werden auf der Strecke Dögerode - Kalefeld Geisausbesserungsarbeiten durchgeführt. Die Kosten betragen 20.000 - 25.000 DM (Festpreis pro Schwelle). Bei Sebexen wird die letzte Weiche im Bahnhofsbereich ausgebaut. Im Sommer übernimmt die Ilmebahn AG, mit ihrer lindgrünen V100, unter anderem den Gütertransport auf der Strecke Kreiensen - Kalefeld - RKW.
1996
von April bis Dezember entsteht ein Flüssiggaslager neben der Eisenbahnstrecke Kalefeld - RKW. (Bereich der ehem. Erzverladerampe. Das Gaslager erhält ab August einen eigenen Gleisanschluß. Anfang Dezember erfolgt die erste Gaslieferung per Bahn.
1997
DB Ersatzlokomotiven übernehmen den Güterverkehr. Die Ilmebahnlok ist bei der Hauptuntersuchung und es wird eine Funksteuerung eingebaut die den Einmannbetrieb erlaubt.
An fast allen Werktagen (Mo.-Fr.) erfolgt die Anlieferung von Rohgranulat für die RKW (1-2 Kesselwagen) und Flüssiggas für das Gaslager. Sehr selten erhält das Kalefelder Volksbahnlager eine Kohleladung.

Es bleibt die Hoffnung
das die Strecke im Auetal auch im nächsten Jahrtausend noch in Betrieb ist.

Ein kleiner chronologischer Überblick von Bernd-Joachim Nolte 8/99

Quellen:

bulletH.D.Gleichmann „Die Kleinbahn Osterode - Kreiensen“ ISBN 3-923 605-27-7, Piepersche Druckerei und Verlag GmbH, 1994
bulletGeorg Matzander Artikel über die Kreisbahn Osterode am Harz - Kreiensen
bulletHeimatblätter für den Süd-Westl. Harzrand Nr.49/1993 ISSN 0175-7040
bulletKreisarchiv des Landkreises Osterode am Harz
bulletZeitungsartikel der Tageszeitungen aus Bad-Gandersheim, Northeim und Osterode
bulletInformationen aus der Bevölkerung und ehemaliger Kreisbahnbediensteten unser Region des Harzvorlandes