Bahnhofskarte Kalefeld

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Bahnstation Kalefeld – Geschichte eines Bahnhofes

Foto: Der alte K(C)alefelder Kleinbahnhof der Kreisbahn Osterode(H)-Kreiensen

Das Foto (Fam.Flachsbarth) zeigt den Calefelder Bahnhof im Frühjahr 1903. Der einfahrende Dampfzug aus Richtung Kreiensen hat wie die Personen Aufstellung zum Foto genommen. Im September des Jahres 1899 wurde die Teilstrecke von Willershausen bis Kreiensen eröffnet. Der Bahnhof, der im selben Jahr fertig gestellt wurde, bestand aus einem Empfangsgebäude (EG), mit Dienstraum und Wartesaal. Der Fahrkartenschalter mit Glasscheibe und Holzdrehteller, war in die Trennwand eingebaut. Im Abstand von sechs Metern stand ein Güterschuppen am Hauptgleis. Die Bauweise der Bahnhofsgebäude entsprach dem Einheitstyp, wie er in vielen Orten entlang der Kreisbahnstrecke gebaut wurde. Bei den Gleisanlagen gab es außer dem Haupt-, ein Umfahr- und ein Ladegleis. Wilhelm Flachsbarth (2 Pers. v. links) der seit 1899 Bahnhofsvorsteher in Calefeld war, erhielt 1905 von der Kreisbahn Osterode die Genehmigung, zwischen dem Empfangsgebäude und dem Güterschuppen ein Wohnhaus mit einliegender Gaststätte zu bauen.

Mit Fertigstellung des Wohnhauses und der Gaststätte im Erdgeschoß wurde das Empfangsgebäude zum Gastzimmer und Warteraum. In den folgenden Jahren erfreute sich die Bahnhofsgaststätte bei der Bevölkerung immer größerer Beliebtheit. Nicht nur die Kalefelder, sondern auch das Bahnpersonal (Schaffner und Lokführer) nutzten die Möglichkeit, ihre Betriebsbereitschaft durch ein Glas Bier und einem Schnaps zu steigern.

An dieser Stelle sei auf Bedenken der Kirche hingewiesen, die in den Willershäuser Synodal-Protokoll vom 2.Oktober 1900 zur Einrichtung von Wirtschaften an den Bahnstationen Stellung nimmt.

Ein Auszug aus dem Protokoll: "Was aber das Bedenkliche dabei ist, ist der Umstand, daß der Warteraum, der doch als solcher für die Fahrgäste bestimmt ist, häufig nur ein Versammlungsort von Zechbrüdern ist, welche die Bahn gar nicht benutzen, sondern nur zu ihrem Vergnügen sich dort aufhalten. Auf diese Weise sind Fälle vorgekommen, daß anständige Leute, namentlich Damen, welche mit der Bahn haben fahren wollen, Abstand genommen haben, den Warteraum zu betreten, und draußen den Zug erwartet haben, weil der Warteraum von jungen Burschen besetzt gewesen ist, welche Bier getrunken und Zigarren geraucht haben. Wie einträglich eine solche Restauration sein kann, ist daraus abzunehmen, daß ein Gastwirt sich einen besonderen Kellner gemietet hat. Unter solchen Erwägungen erlauben wir uns, im Interesse der Sittlichkeit ... anzumerken, ... den Wirtschaftsbetrieb auf den Bahnstationen wieder einzustellen"

Das Foto (Fam. Flachsbarth) zeigt außer dem Wohnhaus, auch einen Anbau (1912) gleichen Typs an den vorhanden Güterschuppen. Dieser wurde von der Weberei Ude aus Kalefeld genutzt, bis sie ein eigenes Anschlußgleis erhielt. Um 1915 wurde ein weiterer Güterschuppen in anderem Baustil angefügt in dem der Getreidehandel des Herrn Schilling (Später Kornhaus Northeim) untergebracht war.

Trotz der Bedenken der Kirche wurden die Bahnhöfe sehr schnell zu den zentralen Punkten jeder Ortschaft. Vor allem die Jugend traf sich am Bahnhof zur Abnahme der Züge, wie sie es nannten. Verkehr und Bewegung, neue Gesichter Persönlichkeiten, Gerüchte, Neuigkeiten aus dem Land und faszinierende Technik konnte die Jugend begeistern.
Um 1928 richtete Herr Flachsbarth einen Tanzgarten mit Liebesgrotte, östlich vom Bahnhof, ein. Eine in den Boden der Tanzfläche eingelassene Beleuchtung und der Schein der Lampion, ließen manche Sommersamstage bei netter Musik, zu schönen Erlebnissen werden. Der rechte Platz sich zu verlieben, wenn man nicht vom Qualm und Kohlegestank der Loks aus seinen süßen Träumen geweckt wurde. Es entwickelte sich eine besondere Dorfgaststätte mit Zuganschluß. So war es auch nicht verwunderlich wenn auf Postkarten der Bahnhof neben der Kirche abgebildet wurde.


Foto: Postkarte vom 10.Januar 1906 Erna Haase, Kalefeld